Stell dir vor, du legst heute CHF 10'000 auf dein Sparkonto – und rührst das Geld zehn Jahre lang nicht an. Die Zahl auf dem Kontoauszug bleibt gleich. Und trotzdem kannst du dir am Ende weniger davon kaufen als heute. Kein Fehler, kein Betrug. Das ist Inflation. Dieser Artikel erklärt, was dahintersteckt – und warum es dich als Sparende oder Sparender in der Schweiz direkt betrifft.

Was ist Inflation überhaupt?
Inflation bedeutet: Die Preise steigen, und dein Geld kann sich dafür weniger kaufen. Fachleute nennen das den Verlust an Kaufkraft.
Ein konkretes Beispiel aus dem Alltag: Ein Kaffee im Café kostet heute vielleicht CHF 4.50. Vor zehn Jahren war er für CHF 3.80 zu haben. Das Geld in deiner Tasche ist nominal genauso viel wert – aber es reicht für weniger. Genau das beschreibt Inflation.
Wichtig zu verstehen: Inflation betrifft nicht nur einzelne Produkte. Sie wirkt sich auf den gesamten Warenkorb aus – also auf alles, was du im Alltag kaufst: Lebensmittel, Miete, Energie, Kleidung, Dienstleistungen.
Wie wird Inflation in der Schweiz gemessen?
In der Schweiz misst das Bundesamt für Statistik (BFS) die Inflation mit dem Landesindex der Konsumentenpreise (LIK). Der LIK basiert auf einem sogenannten Warenkorb – einer repräsentativen Auswahl von rund 300 Waren und Dienstleistungen, die Schweizer Haushalte regelmässig kaufen.
Jeden Monat wird gemessen, wie sich die Preise in diesem Warenkorb verändert haben. Der prozentuale Anstieg gegenüber dem Vorjahr ergibt die Inflationsrate.
Kennzahl | Wert |
|---|---|
Inflationsrate Mai 2026 (LIK, ggü. Vorjahr) | 0,6 % |
Jahresdurchschnitt 2025 | 0,2 % |
SNB-Prognose Jahresdurchschnitt 2026 | 0,5 % |
SNB-Zielkorridor Inflation | 0 – 2 % |
SNB Leitzins (aktuell) | 0 % |
Quellen: Bundesamt für Statistik (BFS), SNB Geldpolitische Lagebeurteilung März 2026. Stand: Juni 2026.
Die Schweiz hat im europäischen Vergleich eine strukturell tiefe Inflation. Der starke Franken verbilligt Importe, und die Schweizerische Nationalbank (SNB) verfolgt seit Jahrzehnten eine konsequente Stabilitätspolitik. Das macht die Schweiz zu einem der preisstabilsten Länder weltweit.
Was macht Inflation konkret mit deinem Ersparten?
Das ist der Teil, der für dich als Sparende oder Sparender am direktesten relevant ist. Inflation wirkt still und unsichtbar – aber kontinuierlich.
Stell dir vor, du hast CHF 10'000 auf deinem Sparkonto. Du tust nichts damit. Nach einem Jahr schaust du drauf – die Zahl ist immer noch CHF 10'000. Kein Verlust, oder? Doch. Denn während dein Geld auf dem Konto lag, sind die Preise gestiegen. Mit CHF 10'000 kannst du dir heute weniger kaufen als vor einem Jahr. Real – also gemessen an Kaufkraft – ist dein Vermögen kleiner geworden.
Rechenbeispiel: CHF 10'000 auf dem Sparkonto – 10 Jahre (vereinfacht) | Wert |
|---|---|
Startbetrag | CHF 10'000 |
Sparzins Grossbank (z.B. UBS, PostFinance) | 0,05 – 0,25 % p.a. |
Angenommene Inflation p.a. | 0,6 % |
Nominalwert nach 10 Jahren | CHF ~10'025 – CHF ~10'253 |
Realer Kaufkraftverlust über 10 Jahre | ca. – CHF 350 bis – CHF 550 |
Realer Wert nach 10 Jahren (kaufkraftbereinigt) | ca. CHF 9'450 – CHF 9'700 |
Vereinfachte Berechnung zur Veranschaulichung. Konstante Inflationsrate und Sparzins angenommen, kein Zinseszins-Effekt. Keine Prognose.
Was schützt vor Inflation?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Ersparte vor dem schleichenden Kaufkraftverlust zu schützen. Keine davon ist ohne Risiko – aber alle haben eine gemeinsame Logik: Geld in Sachwerte oder renditestarke Anlagen investieren, die historisch gesehen die Inflation übertreffen.
Eine der häufigsten Fragen ist: «Ist Gold ein guter Inflationsschutz?» Gold wird oft als Krisenwährung bezeichnet und kann kurzfristig als Absicherung dienen. Langfristig ist der Inflationsschutz von Gold historisch jedoch weniger konsistent als bei Aktienanlagen – und Gold wirft weder Zinsen noch Dividenden ab.
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Häufige Fragen zur Inflation
Was gilt als «normale» Inflationsrate in der Schweiz?
Die SNB definiert Preisstabilität als Inflation zwischen 0 und 2 Prozent pro Jahr. Die Schweiz liegt historisch meist am unteren Ende dieses Bands – oft unter 1 Prozent. Das ist im internationalen Vergleich sehr tief und ein struktureller Vorteil des Schweizer Wirtschaftsraums.
Ist Deflation besser als Inflation?
Nicht unbedingt. Deflation – also sinkende Preise – klingt zunächst positiv. Aber wenn alle warten, bis die Preise weiter sinken, werden Käufe aufgeschoben, Unternehmen verdienen weniger, und die Wirtschaft gerät ins Stocken. Eine moderate, stabile Inflation von 1–2 Prozent gilt volkswirtschaftlich als gesund, weil sie Konsum und Investitionen anregt.
Was hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit Inflation zu tun?
Die SNB ist für die Geldpolitik in der Schweiz zuständig und hat das gesetzliche Mandat, die Preisstabilität zu sichern. Ihr wichtigstes Werkzeug ist der Leitzins: Erhöht sie ihn, wird Geld teurer – das dämpft die Inflation. Senkt sie ihn, wird Geld billiger – das stimuliert die Wirtschaft. Derzeit liegt der SNB-Leitzins bei 0 %, da die Inflation in der Schweiz tief ist.
Muss ich jetzt sofort handeln, weil mein Geld an Wert verliert?
Nein – Panik ist kein guter Ratgeber. Bei einer Inflationsrate von 0,6 Prozent ist der jährliche Kaufkraftverlust überschaubar. Aber auf lange Sicht lohnt es sich, sein Geld nicht einfach auf einem schlecht verzinsten Konto «schlafen» zu lassen. Ein guter erster Schritt ist es, sich mit den Grundlagen des Investierens vertraut zu machen.
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Fazit: Inflation verstehen ist der erste Schritt
Inflation ist kein abstraktes Wirtschaftsphänomen – sie betrifft jeden, der Geld spart oder ausgibt. In der Schweiz ist die Inflationsrate im internationalen Vergleich niedrig, aber auch hier verliert Geld, das einfach auf dem Konto liegt, langfristig an Kaufkraft.
Das Gute: Du musst kein Finanzexperte sein, um dich davor zu schützen. Es geht nicht darum, sofort alles zu ändern – sondern darum, informierte Entscheidungen zu treffen. Wer versteht, was Inflation ist und wie sie wirkt, macht schon den wichtigsten ersten Schritt.
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