0.30 Prozentpunkte. Das ist der Unterschied zwischen der TER von zwei ETFs – und klingt nach nichts. Über 25 Jahre kann dieser kleine Unterschied dich aber CHF 18'000 kosten. Zeit, zu verstehen, was die TER wirklich ist und warum sie eine der wichtigsten Zahlen beim ETF-Investieren ist.

Was bedeutet TER überhaupt?
TER steht für Total Expense Ratio, auf Deutsch etwa "Gesamtkostenquote". Sie zeigt dir, wie viel Prozent des Fondsvermögens jährlich für die Verwaltung eines ETFs anfallen.
Das Praktische daran: Du musst die TER nicht separat bezahlen. Sie wird laufend direkt aus dem Fondsvermögen abgezogen und ist bereits in der Kursentwicklung des ETFs eingerechnet. Auf deinem Kontoauszug siehst du also nie eine Abbuchung mit der Bezeichnung "TER" – die Kosten schmälern einfach unsichtbar deine Rendite.
In der TER enthalten sind unter anderem:
Verwaltungsgebühren der Fondsgesellschaft
Kosten für die Depotbank des Fonds
Weitere laufende Betriebskosten (z.B. Lizenzgebühren für den nachgebildeten Index)
Warum ist die TER so wichtig?
Auf den ersten Blick wirken TER-Unterschiede winzig. 0.20% statt 0.50% – wen interessiert das schon bei einer Rendite von 7% pro Jahr?
Die Antwort: dich, langfristig gesehen. Der Grund liegt im Zinseszinseffekt. Jedes Jahr, das die TER deine Rendite schmälert, wirkt sich das nicht nur auf dieses eine Jahr aus – sondern auf jeden Franken, der in den folgenden Jahren weiterwachsen würde. Über Jahrzehnte summiert sich das zu einem beträchtlichen Betrag.
Rechenbeispiel: Wie stark wirkt sich die TER wirklich aus?
Stell dir vor, du investierst über einen ETF-Sparplan monatlich CHF 500, bei einer angenommenen Bruttorendite von 7% pro Jahr. Du vergleichst zwei ETFs mit identischer Strategie – der einzige Unterschied ist die TER.
ETF A (TER 0.20%) | ETF B (TER 0.50%) | |
|---|---|---|
Nettorendite p.a. | 6.80% | 6.50% |
Endkapital nach 25 Jahren | CHF 392'448 | CHF 374'418 |
Endkapital nach 30 Jahren | CHF 586'452 | CHF 553'089 |
Hinweis: Berechnung basiert auf einer angenommenen konstanten Bruttorendite. Tatsächliche Marktrenditen schwanken von Jahr zu Jahr.
Wo findest du die TER eines ETFs?
Die TER ist keine versteckte Information – du findest sie an mehreren Stellen:
→ Fund Factsheet (auf der Website der Fondsgesellschaft, z.B. iShares oder Vanguard)
→ ETF-Vergleichsportale wie justETF, wo TER-Werte übersichtlich gelistet sind
→ KID/PRIIPs-Dokument (Basisinformationsblatt), das jeder ETF-Anbieter bereitstellen muss
Ein Blick auf die TER lohnt sich immer, bevor du dich für einen ETF entscheidest – gerade wenn zwei Fonds den gleichen Index abbilden.
Häufige Fragen zur TER
Ist eine tiefere TER immer besser?
Bei ETFs, die den gleichen Index abbilden, ist eine tiefere TER grundsätzlich vorteilhaft, da sie direkt deine Rendite erhöht. Bei unterschiedlichen Strategien oder Indizes lohnt sich aber immer ein Blick auf das Gesamtbild – nicht nur auf die Kosten.
Zahle ich die TER extra, zusätzlich zu meinem Broker?
Nein. Die TER wird automatisch aus dem Fondsvermögen abgezogen, bevor du überhaupt etwas siehst. Sie ist unabhängig von den Gebühren deines Brokers (z.B. für den Kauf oder die Depotführung).
Wie oft ändert sich die TER eines ETFs?
Selten, aber es kommt vor. Fondsgesellschaften passen die TER gelegentlich an, meist nach unten, wenn ein ETF wächst und dadurch die Kosten pro Anleger sinken. Ein jährlicher Check schadet nicht.
Warum haben manche ETFs auf den gleichen Index unterschiedliche TER?
Das hängt von der Fondsgesellschaft und ihrer Kostenstruktur ab. Grössere, ältere ETFs verteilen ihre Fixkosten auf ein grösseres Anlagevolumen und haben deshalb tendenziell tiefere TER als kleinere, neuere Anbieter.
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